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Der Name der Freiheit


Mumia Abu-Jamal

Der Aufschrei von Lares

Wie die US-Bundespolizei FBI einen puertoricanischen Revolutionär Filiberto Ojeda Rios
ermordete. Und warum sie ihr eigentliches Ziel letztlich doch nicht erreichte

Fünf Wochen sind vergangen seit der Ermordung des puertoricanischen Freiheitskämpfers Filiberto Ojeda Rios durch das FBI. Die US-Bundespolizei wollte mit ihrer Tat vom 23. September die Unabhängigkeitsbewegung einschüchtern. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Im Gegenteil.

In Hormigueros in den Bergen Puerto Ricos hatten die bewaffneten FBI-Agenten das Haus umstellt, in dem sich der 72jährige Revolutionär zusammen mit seiner Frau aufhielt. Die Angreifer eröffneten das Feuer, trafen Ojeda mehrfach und ließen ihn stundenlang liegen, bis er schließlich verblutet war. Dr. Hector Pesquera, Vorsitzender der »Hostosiano Unabhängigkeitsbewegung«, die sich nach dem Vorkämpfer der puertoricanischen und kubanischen Befreiung, Eugenio Maria de Hostos (1839-1903), benannt hat, kritisierte die Polizeiaktion in aller Schärfe: »Die sind nicht hergekommen, um Filiberto Ojeda zu verhaften; die sind in der Absicht gekommen, ihn umzubringen!«

Es war auch kein Zufall, daß das FBI für den Angriff auf Ojedas Haus genau den Tag ausgewählt hatte, der für die Karibikinsel von besonderer historischer Bedeutung ist. Am 23. September jährte sich zum 137. Mal »El Grito de Lares« – der »Aufschrei von Lares«. An diesem Tag hatten sich 1868 in der Ortschaft Lares Aufständische gegen die spanischen Kolonialherren erhoben und die erste unabhängige Republik Puerto Rico ausgerufen. Aber seit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898 ist die Insel bis zum heutigen Tag eine Kolonie der USA, weshalb dieser Tag alljährlich zum Gedenken an den Aufstand gefeiert wird.

Als mich die Nachricht von der Ermordung Filiberto Ojedas erreichte, mußte ich unwillkürlich an den 4. Dezember 1969 denken, als die beiden Black Panthers Fred Hampton und Mark Clark in Chicago im Schlaf in ihren Betten erschossen wurden. Auch für diese politischen Morde war das FBI verantwortlich. Und genau wie damals versuchten die staatlichen Stellen diesmal, die wahren Hintergründe durch Lügen zu verdecken. Doch schlug die Absicht des US-Imperiums fehl, den Freiheitswillen und das Streben nach Unabhängigkeit in Puerto Rico zu ersticken. Es gibt Momente in der Geschichte, in denen sich die Langmut eines Volkes in Widerstand verwandelt. Der Mord an Filiberto Ojeda stellt einen solchen Einschnitt dar.

Dylcia Pagan, eine frühere politische Gefangene aus der Unabhängigkeitsbewegung, die viele Jahre in US-Gefängnissen zubringen mußte, sagte nur wenige Stunden nach Bekanntwerden von Ojedas Tod: »Was sich da ereignet hat, war ein politischer Mord an einem puertoricanischen Kämpfer, ausgeführt von einer Spezialeinheit des US-amerikanischen FBI. (...) Hormigueros war insgesamt vier Tage lang abgeriegelt und unter der Herrschaft der US-Bundesbehörden. Den puertoricanischen Medien war es während dieser Zeit nicht erlaubt, das Haus Filibertos zu filmen oder zu fotografieren.« Pagan führte weiter aus: »Der Aufschrei von Lares im Jahr 1868 war Teil des Kampfes gegen den spanischen Kolonialismus. Im Jahr 2005 hallt ein neuer ›Aufschrei von Lares‹ gegen die Kolonialherrschaft der USA über unsere Insel.«

Der Geist, der hinter der Ermordung Filiberto Ojeda Rios’ steht, ist derselbe, der hinter dem brutalen und unrechtmäßigen Überfall auf Irak und der Besetzung dieses Landes steht. Wir haben es mit einem entfesselten Kapitalismus zu tun, der vorgibt, er handele »im Namen der Freiheit«. Dabei greift er zum Staatsterrorismus, der sich gegen die Ideen der Freiheit und wahre Unabhängigkeit richtet. Es kann darauf nur eine Antwort geben, die zu grundlegender Veränderung führt: eine breite und fundierte Mobilisierung des Volkes gegen diesen neoliberalen Alptraum. Und Widerstand, beharrlichen Widerstand.

(Übersetzung: Jürgen Heiser)



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