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Das Geiseldrama in Saudi-Arabien

Thomas Pany   31.05.2004

Weitere Anschläge befürchtet

Die bewaffneten Männer, die den Gebäudekomplex der Oasis Residential Resorts in der saudi-arabischen Stadt Chobar durchkämmten, hatten zwei Fragen: "Sind Sie Muslim?" und "Wo befinden sich die Westler und die Amerikaner?"


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Am Ende des zweitägigen [External Link] Dramas mit Geiselnahmen zählte man 22 Tote: acht Inder, drei Saudis, drei Philipinos, zwei aus Sri Lanka, einen Amerikaner, einen Engländer, einen Italiener, einen Schweden, einen Südafrikaner und einen 10jährigen Ägypter; 25 Menschen wurden verletzt.

Während über den genauen Hergang des [External Link] Geiseldramas und der Befreiungsaktion einer saudischen Elitetruppe noch Unklarheit herrscht - drei Geiselnehmer konnten mitsamt Geiseln entkommen und werden zur Zeit noch [External Link] gesucht -, geht die Angst um in den Kolonien der ausländischen Beschäftigten und auf den Märkten, wo man einen weiteren Anstieg der Ölpreise [External Link] befürchtet.


 Das steigert den Angst-Faktor. Der Vorfall bedeutet eine Eskalation seit dem letzten Anschlag in Janbu. Das (Chobar) ist ein größeres Ölzentrum und es wurden mehr Leute getötet
Tony Nunan, Risk Manager von Mitsubishi Corp

. Der Angriff auf das Hauptquartier der APICORP (Arab Petroleum Investments Corp, der Investment-Arm der OPEC) in Chobar hatte wie schon der Anschlag in Janbu Anfang dieses Monats ein eindeutiges Ziel: die Einschüchterung ausländischer Fachkräfte der Ölindustrie; sie sollen das Land verlassen, ein Appell, dem nach [External Link] Angaben von Al-Dschasira schon viele Familien gefolgt sind. Die USA haben mittlerweile ihre Staatsangehörigen [External Link] aufgefordert, das Land zu verlassen, während England und Australien sich mit Warnungen vor neueren Terroranschlägen und Empfehlungen begnügt haben. Trotz wiederholter Beteuerungen der saudischen Behörden, dass man die Sache im Griff habe - immerhin soll man in den letzten zwei Jahren 750 Millionen Dollar in die Sicherheit von Ölanlagen [External Link] investiert haben, an das Versprechen absoluter Sicherheit will niemand mehr so recht glauben; allzu leicht ist es auch [External Link] diesmal den Attentätern gelungen, in vermeintlich perfekt abgesicherte Anlagen einzudringen.

Dass die Mutter aller Terrororganisationen, die Al-Qaida, auch hinter diesen Anschlägen steckt, gilt einmal mehr als sicher, zumal auf einer Webseite ein Band gepostet wurde, auf dem sich ein Abdul-Muhsin al-Mukrin, der angeblich die Qaida in Saudi-Arabien kommandiert, für die Anschläge samt Durchschneiden der Kehle von Geiseln [External Link] verantwortlich erklärt. Für den saudischen Politikwissenschaftler [External Link] Abdullah Al-Otabi ist in dem Anschlag von Janbu, Anfang Mai, und dem jüngsten Angriff ein eindeutiges Muster zu erkennen:


 Nachdem man in der ersten Phase westliche Angestellte und Sicherheitskräfte im Visier hatte, will man jetzt die Ölfirmen angreifen; später könnte man sich dann auf einen städtischen Guerilla-Kampf konzentrieren, als Teil einer Strategie, die das Königreich destabilisieren soll.

Zunächst ginge es der Qaida darum, die saudische Wirtschaft "lahmzulegen", weswegen man die Infrastruktur der Ölindustrie angreife und die Kräfte aus dem Ausland, die dafür gebraucht werden - die saudische Ölindustrie ist abhängig von sechs Millionen expats, die dort und in anliegenden Metiers arbeiten; das Ziel der Angriffe am Wochenende sei in dieser Hinsicht gut ausgesucht: neben dem Gebäudekomplex der APICORP liegen die Gebäude der Royal Duch Shell Gruppe, der Total Saudi Arabia, Saudi Aramco, Lukoil Holdings (Russland) und China Petroleum & Chemical Group. Die Strategie würde derjenigen der Tamil Tigers in Sri Lanka ähneln: die Lähmung der Wirtschaft im Land und das Säen von Panik unter der Bevölkerung.

(telepolis)







New York: Ex- Bürgermeister Giuliani bei Anhörung zum 11. September ausgebuht

Mythos und Realität

Von Bill Van Auken
1. Juni 2004
aus dem Englischen (22. Mai 2004)

Die zweitägigen Anhörungen in New York City, die von der Kommission zur Untersuchung der Terrorangriffe vom 11. September 2001 durchgeführt wurden, verdeutlichten die Kluft zwischen den von Regierung und Medien produzierten Mythen rund um den 11. September und der Wirklichkeit, eine Kluft, die von den direkt Betroffenen seit langem schmerzhaft und deutlich empfunden wird.

Zur Konfrontation kam es, als der ehemalige Bürgermeister von New York City Rudolph Giuliani vor der Kommission erschien. Die Mitglieder des Ausschusses, der sich gleichermaßen aus Republikanern und Demokraten zusammensetzt, behandelten Giuliani wie einen Heiligen. Sie taten ganz so, als ob er persönlich die Tragödie und den Heroismus verkörpere, die mit den Anschlägen auf das World Trade Center in Verbindung gebracht werden, bei denen beinahe 3.000 Menschen, darunter viele Feuerwehrmänner und Rettungshelfer, ihr Leben verloren.

Dies entsprach zwar dem Bild, dass die Medien und Giuliani selbst penetrant propagiert hatten, doch nicht der Auffassung einer großen Zahl von Zuschauern, die Angehörige der Opfer waren. Sie zeigten deutlich ihren Zorn über die Aussagen des ehemaligen Bürgermeisters und die Speichelleckerei der Kommissionsmitglieder.

Da Giuliani nicht kritisch befragt wurde, sahen sich viele Angehörige in ihrer Überzeugung bestätigt, dass die Kommission - für deren Einrichtung sie ursprünglich gekämpft hatten - nicht zur Aufklärung beiträgt, sondern vielmehr die Fragen ersticken soll, die hinsichtlich der Terroranschläge vom 11. September aufgekommen sind.

Die Kommission blockiere jede wirkliche Untersuchung, indem sie "Alles in Heroismus hüllt", sagte Monica Gabrielle, deren Ehemann im World Trade Center starb, gegenüber der Presse. Sie beschrieb sich selbst als " tief enttäuscht" und warf der Kommission vor, sie habe "Rudy Giuliani seine Krone polieren lassen."

Giuliani durfte über 35 Minuten lang schwadronieren - die längste Zeit, die die Kommission bislang einer Zeugenaussage eingeräumt hatte - und stellte sich selbst im besten Licht dar. Seine Aussage war darauf ausgerichtet, sowohl der Bush-Regierung als auch Giulianis eigenen Geschäftsinteressen zu dienen. Er wiederholte die Lüge der US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, dass niemand einen Anschlag mit entführten Flugzeuge vorhersehen konnte - obwohl zahlreiche Geheimdienstdokumente existieren, die vor eben einer solchen Art von Anschlag gewarnt hatten. Giuliani gestand ein, dass die Bush-Regierung die Stadt nicht vor einer erhöhten Terrorgefahr in New York gewarnt hatte, die Gegenstand des umstrittenen Präsidenten-Briefings am 6. August 2001 war, betonte aber, dies hätte sowieso nichts geändert.

Den zehn Mitgliedern der Kommission standen nur jeweils fünf Minuten zur Verfügung, um Fragen zu stellen, und jedes einzelne verschwendete einen Gutteil seiner Zeit darauf, überschwängliche Lobeshymnen auf Giuliani zu singen.

"New York City [...] war gewissermaßen gesegnet, weil die Stadt Sie als Führer hatte", schwärmte der Kommissionsvorsitzende Thomas H. Kean. "Die Stadt hatte jemanden Großes, einen großen Führer, der sich eines schrecklichen, schrecklichen Ereignisses annahm."

Kommissionsmitglied James Thompson, der ehemalige Gouverneur von Illinois, pries Giulianis "außergewöhnliche Führung" und erklärte, er habe "uns allen ein Beispiel gegeben".

"Ihre Führung gab dem Rest der Welt einen unverstellten Blick auf den unerschütterlichen Geist der Stadt, und dafür verneige ich mich vor Ihnen", erklärte Richard Ben-Veniste, ein Demokrat und Mitglied der Kommission, der bei früheren Anhörungen Mitgliedern der Bush-Regierung einige scharfe Fragen gestellt hatte. Ben-Veniste hatte in den 1970-er Jahren als Staatsanwalt in Manhattan mit Giuliani zusammengearbeitet.

Worin bestand genau die großartige Führung, die Giuliani angeblich am 11. September gegeben hatte? Nimmt man seine eigene Darstellung, so verbrachte der damalige Bürgermeister den Großteil des Tages damit, im südlichen Manhattan umherzuschweifen, um Räumlichkeiten für eine Notstandszentrale zu finden.

"Rudys Bunker"

Ein Komplex, der auf Giulianis Anweisung für diesen Zweck ausgerüstet worden war, befand sich im 23. Stockwerk des World Trade Centers und war durch die Anschläge auf die Zwillingstürme zerstört worden. Warum die Türme in sich zusammenbrachen, ist noch nicht vollständig geklärt. Einige vermuten allerdings einen Zusammenhang mit der Entscheidung von Giulianis Verwaltung, entgegen allen Sicherheitsvorschriften Treibstoffzuleitungen an der Gebäudeseite anzubringen.

Am Tag bevor Giuliani vor der Kommission auftrat, sagte einer seiner damaligen Beauftragten aus, er habe sich seinerzeit gegen die Entscheidung ausgesprochen, den allgemein als "Rudys Bunker" bezeichneten Komplex in einem hohen Stockwerk unterzubringen. Aber dem ehemaligen Bürgermeister wurden keine peinlichen Fragen hinsichtlich dieser Entscheidung gestellt.

Auf die Frage nach der Kommandostruktur in der Notfallsituation erklärte Giuliani: "Die Autoritäten waren klar verteilt. Der Bürgermeister war zuständig. Darum wählen die Menschen einen Bürgermeister." Er behauptete außerdem nachdrücklich, dass "es am 11. September kein Koordinationsproblem" zwischen der Polizei- und Feuerwehrleitung gab.

Während seines ziellosen Umherlaufens an dem Tag tat Giuliani jedoch nicht viel mehr als wiederholt vor die Fernsehkameras zu treten. Und was seine Behauptung über die Koordination zwischen Polizei und Feuerwehr betrifft, so steht diese im direkten Gegensatz zum vorläufigen Bericht der Kommission selbst. Das Dokument zitiert Beweise dafür, dass ein Koordinationsmangel "die Fähigkeit der Stadt verminderte, in Notfallsituationen angemessen zu reagieren". Es stellt zudem fest: "Uns ist nichts bekannt über irgendeine Art der Kommunikation zwischen" den Leitungen der Polizei und Feuerwehr am 11. September.

Am Tag, bevor Giuliani vor der Kommission auftrat, machten seine Beauftragten für Polizei und Feuerwehr ihre Aussagen. Beide Männer sind inzwischen Angestellte der Firma Giuliani Partners, die Sicherheitsdienste für Unternehmen anbietet.

Der ehemalige Polizeibeauftragte Bernard Kerik, der eine steile Beförderung erlebte, nachdem er in Giulianis Wahlkampf für den Bürgermeisterposten 1993 als Bodyguard und Chauffeur gedient hatte, blockte die Fragen der Kommission größtenteils ab und verwies dabei auf die Zuständigkeit der derzeitigen Stadtverwaltung. Kerik wurde für seine sklavische politische Loyalität kurzzeitig mit einem Posten im Irak belohnt, wo er für die Besatzungsmächte den Aufbau einer irakischen Polizeitruppe leitete - ein Vorhaben, das inzwischen aufgegeben wurde.

Thomas Von Essen, der ehemalige Feuerwehrbeauftragte, erhielt diesen Posten, nachdem er Vorsitzender der Feuerwehrgewerkschaft gewesen war und Giuliani im Wahlkampf unterstützt hatte. Unter den einfachen Feuerwehrleuten und Gewerkschaftsmitgliedern war er weitgehend verhasst. Von Essens Aussagen vor der Kommission waren, wie die von Kerik, sowohl dumm als auch abweisend.

Die groteske Schmeichelei, mit der die Kommissionsmitglieder Giuliani bedachten, rief unter den Zuschauern zunehmende Unruhe und empörtes Gemurmel hervor. Die Entrüstung darüber, dass der ehemalige Bürgermeister mit Samthandschuhen angefasst wurde, brach sich schließlich freie Bahn, als Giuliani behauptete, dass der Tod von mindestens 121 Feuerwehrmännern im Nordturm des World Trade Centers - der von den Flugzeugentführern als zweiter getroffen wurde - auf "ihre Standfestigkeit" gegenüber dem Terrorismus zurückzuführen sei. Die Feuerwehrleute hätten ihr Leben gelassen, so Giuliani, weil sie "einen Evakuierungsbefehl auf die Weise verstanden, wie ein mutiger Rettungshelfer einen Evakuierungsbefehl verstehen würde, das heißt: Erst die Zivilisten herausschaffen und dann selbst hinausgehen."

In seinem Buch Leadership ("Führung"), mit dem Giuliani Kapital aus den Anschlägen vom 11. September zu schlagen versuchte, vertritt der Ex-Bürgermeister die gleiche These auf noch plumpere Weise, indem er die Feuerwehrmänner mit einem Kapitän vergleicht, der sich dazu entschließt "mit dem Schiff unterzugehen".

Diese Behauptung steht im direkten Gegensatz zu den Aussagen Aller, die die Rettungsmaßnahmen im World Trade Center überlebten: Defekte Kommunikationsgeräte hatten dazu geführt, dass diejenigen, die sich im Turm befanden, noch nicht einmal vom Evakuierungsbefehl hörten. Es ist zudem bekannt, dass praktisch alle Zivilisten aus den Stockwerken, die erreicht werden konnten, auch aus dem Gebäude entkamen.

Augenzeugen, die aus dem Gebäude geflohen waren, berichteten, dass viele der ums Leben gekommenen Feuerwehrmänner eine Pause einlegten, nachdem sie mit schwerem Gerät beladen 19 Stockwerke hochgestiegen waren - sie hatten keine Ahnung, dass der erste Turm zu diesem Zeitpunkt schon eingestürzt war und der zweite kurz vor dem Zusammenbruch stand.

Angehörige im Publikum, die größtenteils detailliert über den 11. September Bescheid wissen, sprangen vor Wut von ihren Plätzen auf. "Lügner", riefen sie. "Lasst uns die Fragen stellen!"

"Mein Sohn ist von ihrer Inkompetenz umgebracht worden", rief Sally Regenhard, deren Sohn einer der Feuerwehrmänner war, die im World Trade Center starben.

Rosaleen Tallon, deren Bruder, ebenfalls ein Feuerwehrmann, am 11. September getötet wurde, rief Giuliani zu: "Sprechen Sie über die Funkgeräte!"

Der Skandal um die Funkgeräte der Feuerwehr

Sie bezog sich auf die antiquierten Funkgeräte der Feuerwehr. Sie gehörten zu derselben Ausrüstung, die die New Yorker Feuerwehr (FDNY) schon bei dem Einsatz nach dem Bombenanschlag auf das World Trade Center im Jahre 1993 benutzt hatte. Sie fielen damals aus und es kann kaum überraschen, dass sie auch am 11. September nicht funktionierten.

Nicht nur die Feuerwehrmänner im 19. Stockwerk konnten die Befehle nicht hören, die ihre Kommandeure vom Erdgeschoss des Nordturms aus gaben. Hinzu kam, dass die Feuerwehr keine Möglichkeit hatte, mit der New Yorker Polizei (NYPD) zu kommunizieren, die ebenfalls im Katastropheneinsatz war. Ein Polizeihubschrauber teilte den NYPD-Kommandeuren mit, dass das Gebäude einzustürzen drohe. Als diese Information einging, wurde dem Polizeipersonal auf der Stelle der Evakuierungsbefehl erteilt. Die Feuerwehr hingegen erfuhr nichts davon.

In ähnlicher Weise wurde der Polizei über einen Anrufer auf der Notrufnummer zwanzig Minuten vor dem kompletten Einsturz des Südturms mitgeteilt, dass eines der obersten Stockwerke zusammenbrach. Die NYPD-Kommandeure erhielten diese Information, aber sie erreichte nie die Feuerwehr, die noch viele Männer im Gebäude hatte.

Hochrangige FDNY-Vertreter haben ausgesagt, dass Fernsehzuschauer mehr über die Schäden an den Türmen wussten als die Feuerwehrchefs, die die Rettungsmaßnahmen aus dem Erdgeschoss der Gebäude leiteten. Dieser Informationsmangel erklärt, warum bei dem Einsatz im World Trade Center die Todesrate unter den Feuerwehrmännern 15 Mal so hoch war wie unter den Polizisten.

Warum hatte die Stadt kein Funksystem, dass es den Feuerwehrleuten ermöglicht hätte, untereinander und mit der Polizei zu kommunizieren? Auf diese Frage hin behauptete Giuliani, dass die "Technik" Schuld sei. "Heute gibt es diese Funkgeräte nicht mehr", fügte er hinzu. Kein Kommissionsmitglied machte sich die Mühe, diese unglaubwürdige Behauptung zu hinterfragen.

Alle, die mit der Geschichte der New Yorker Feuerwehr vertraut sind - und davon saßen einige im Publikum - wissen sehr genau, dass das Problem nicht in der Technik sondern vielmehr in der politischen Korruption zu finden ist.

Vertreter der Feuerwehrgewerkschaft hatten die Untersuchung eines Geschäfts im Wert von 33 Millionen Dollar gefordert, das wenige Monate vor dem 11. September zwischen der Stadt und dem Unternehmen Motorola abgeschlossen worden war und den Kauf von neuen Funkgeräten für die Feuerwehr beinhaltete. Der ohne öffentliche Ausschreibung zustande gekommene Deal führte zur Einführung von Funkgeräten, die sich als äußerst ungeeignet für Einsätze der Feuerwehr erwiesen.

Das Modell, für das sich die Stadt entschieden hatte, war für Geheimdienste entwickelt worden und besonders auf die Verschlüsselung von Nachrichten ausgelegt - eine Eigenschaft, die für Notfalleinsätze oder Feuerbekämpfung ganz offensichtlich ohne Nutzen ist. Die Bedenken von Feuerwehrleuten wurden beiseite gewischt und die Funkgeräte eingeführt. Kurze Zeit später mussten sie aber wieder zurückgezogen werden, nachdem es wiederholt zu Ausfällen, zum Teil mit lebensgefährlichen Folgen, gekommen war.

Die teuren neuen Funkgeräte wurden eingemottet und die Feuerwehrleute mussten wieder auf Geräte zurückgreifen, die nicht nur 15 Jahre alt waren, sondern sich zudem noch in höchst kritischen Situationen als störungsanfällig erwiesen hatten und inkompatibel mit den Kommunikationssystemen waren, die die Polizei benutzte.

Der merkwürdige Motorola-Deal rief auch deswegen großes Misstrauen hervor, weil es wohlbekannt war, dass die Stadtverwaltung unter Giuliani mit Vorliebe öffentliche Aufträge an seine politischen Freunde und Verbündeten vergab. Kein Kommissionsmitglied sprach die heiklen Fragen in Bezug auf diesen Vertrag an.

Sowohl Giuliani als auch die Kommissionsmitglieder versuchten, den Heroismus der New Yorker Feuerwehrleute zu benutzen, um die Verantwortung der Stadtregierung für die Probleme bei den unmittelbaren Rettungsmaßnahmen am 11. September zu verdecken. Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang, dass nicht ein einziger Feuerwehrmann der Stadt geladen war, um vor der Kommission zu sprechen.

Dies kann wohl kaum ein Zufall gewesen sein. Feuerwehrleute haben wiederholt davor gewarnt, dass die Stadt heute sogar noch schlechter auf eine Katastrophe dieser Art vorbereitet ist, als sie es ohnehin vor dreieinhalb Jahren schon war.

Seit im Jahre 2002 der Republikaner, Geschäftsmann und Milliardär Michael Bloomberg das Amt des Bürgermeisters von New York City übernommen hat, wurden im Rahmen des städtischen Sparprogramms fünf Feuerwehrzüge und Feuerwehrstationen dicht gemacht. Gleichermaßen sieht der Haushaltsplan der Bush-Regierung für 2005 vor, die Gelder für Notfalldienste um 800 Millionen Dollar zu kürzen. Ein anderes staatliches Programm, mit dem die Anschaffung von Feuerwehrausrüstungen und die Ausbildung der Feuerwehrmänner bezuschusst wird, soll um 250 Millionen Dollar beschnitten werden.

Hätte man den Feuerwehrleuten erlaubt, über die tatsächliche Lage in der Stadt zu sprechen, wäre der offizielle Mythos hinsichtlich des erhöhten "Heimatschutzes" weiter gebröckelt, mit dem der Krieg nach außen und der Abbau demokratischer Rechte im Innern schöngefärbt werden.

Die Anhörungen in New York City zeigten äußerst deutlich die immense gesellschaftliche Kluft zwischen der arbeitenden Bevölkerung auf der einen und der wirtschaftlichen und politischen Elite auf der anderen Seite - eine Kluft, die im Finanzzentrum des amerikanischen Kapitalismus besonders ausgeprägt ist. Die sozialen und politischen Interessen, die von der Kommission zum 11. September vertreten werden, stehen im direkten Gegensatz zu der Forderung, die nicht nur von den Angehörigen sondern von der amerikanischen Öffentlichkeit insgesamt erhoben wurde: Der Forderung nach einer wahrhaftigen Erklärung dafür, wie diese Terroranschläge vorbereitet wurden und warum das für die nationale Sicherheit zuständige Establishment in den USA sie geschehen ließ.

 (WSWS)




Interview: Thomas Klein
 
Rüstungskonzerne in Hochkonjunktur: Kaum Kontrollen der Bundesregierung?
 
jW sprach mit Roland Blach, Landesgeschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen in Baden-Württemberg
 
F: Unter dem Motto »Schließen statt schießen« organisieren Sie am heutigen Dienstag eine Protestaktion vor dem Sitz des Rüstungsunternehmens Heckler & Koch (H & K). Warum haben Sie dieses Unternehmen gewählt?

In den letzten vierzig Jahren dürften, vorsichtig geschätzt, über 1,5 Millionen Menschen mit dem von Heckler & Koch entwickelten Schnellfeuergewehr G3 in Kriegen und Konflikten auf der ganzen Welt erschossen worden sein. Das G3 war jahrzehntelang das Standardmodell der Bundeswehr, wurde hunderttausendfach exportiert sowie in Lizenz gefertigt. Heute wird es zum Beispiel in der irakischen, iranischen, saudiarabischen und türkischen Armee eingesetzt. 90 Prozent aller Kriegsopfer gehen auf das Konto von Kleinwaffen. Heckler & Koch ist weltweit der drittgrößte Produzent dieser Waffen.

F: Gegen diese Geschäfte richtet sich Ihre Aktion?

Sie bildet den Auftakt einer Fahrraddemonstration »Rüstungshaushalt senken, Schritte zur Abrüstung statt Sozialabbau«. Vorgesehen sind Aktionen vor Rüstungsbetrieben und Kasernen, in denen Waffen produziert und Kriege vorbereitet werden. Am 2. Juni findet eine solche Aktion beim Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr in Calw statt, am 3. Juni bei der Daimler-Chrysler-Konzernzentrale in Stuttgart-Möhringen sowie vor den Werkstoren der EADS in Donauwörth und Manching. EADS/Daimler-Chrysler ist europaweit der drittgrößte und weltweit der achtgrößte Rüstungskonzern.

F: Welche grundsätzlichen Ziele haben Sie?

Mit unserer Radtour treten wir für eine andere Politik ein, die Frieden durch Gerechtigkeit, Dialog und die gewaltfreie Lösung von Konflikten vorsieht. Dort setzen wir mit unserer Kampagne »Schritte zur Abrüstung« an und fordern, daß der Rüstungshaushalt von derzeit 24,2 Milliarden Euro jährlich um fünf Prozent gesenkt und alle Rüstungsexporte gestoppt werden. Ferner müssen die »Verteidigungspolitischen Richtlinien«, die Kampfeinsätze der Bundeswehr zementieren, zurückgenommen werden. In diesem Zusammenhang ist auch unsere Kritik an der geplanten EU-Verfassung zu verstehen, die eine explizite Aufrüstungsverpflichtung enthält. Wir wollen ein ziviles und soziales Europa.

F: Wie bewerten Sie die Rüstungsexportpolitik der Schröder-Fischer-Regierung?

Die Regierung muß endlich die von ihr immer wieder verkündeten Maßstäbe einhalten. So sind Lieferungen an Staaten wie Ägypten, Mexiko, Saudi-Arabien, Thailand, Israel und Nepal, noch immer an der Tagesordnung. Ferner erwarten wir von Rot-Grün mehr Transparenz im nächsten Rüstungsexportbericht, die genehmigten Exporte müssen im Detail offengelegt werden.
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(jW)














Zweifel an der Natrium-Kalium-Pumpe sind nicht erlaubt

Ludwig Edelmann   31.05.2004

Betrug in den Biowissenschaften verhindert Paradigmenwechsel und versperrt neue Wege der Grundlagenforschung

Es gibt einen nahezu unbekannten Paradigmenwechsel in den Biowissenschaften: Das zentrale molekularbiologische Modell der allgemein akzeptierten Membran-Pump-Theorie (MPT) - die Natrium-Kalium-Pumpe - wird in der alternativen Assoziations-Induktions-Hypothese (AIH) als Fehlinterpretation dargestellt. Mit Hilfe eines diskreten Betruges und des üblichen Begutachtungsverfahrens (Peer-Review-System) von wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Forschungsanträgen hat das wissenschaftliche Establishment eine allgemeine Diskussion und Akzeptanz der AIH verhindert. Als Folge sind bedeutende Entdeckungen mehrerer Dekaden und Erfolg versprechende neue Wege der Grundlagenforschung weitgehend unbekannt.


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Die wissenschaftliche Methode, Naturerscheinungen zu erforschen, kann folgendermaßen skizziert werden: Aus der Beobachtung bestimmter Phänomene werden zunächst theoretische Modelle abgeleitet, die diese Phänomene in logischer Weise erklären. Die Modelle werden dann getestet, indem man versucht, theoretische Voraussagen, die sich aus diesen Modellen ergeben, durch geeignete Experimente zu verifizieren. Erst wenn die theoretischen Voraussagen eines Modells mit allen Beobachtungen lückenlos übereinstimmen, kann man annehmen, dass ein Phänomen wissenschaftlich verstanden ist. Obwohl also den meisten Forschungsrichtungen ein Paradigma beziehungsweise ein hypothetisches Modell zugrunde liegt, ist den Forschenden normalerweise nicht bewusst, dass das Modell auch falsch sein könnte.

Die meisten Forschungsergebnisse sind neue Beobachtungen, die im Rahmen eines existierenden Paradigmas plausibel erklärt werden. Eine Plausibilitätsbetrachtung bedeutet meist noch keinen Erkenntnisfortschritt. Trotzdem werden die neuen Beobachtungen nicht dazu benutzt, das zugrunde liegende Paradigma zu testen, da die Forschenden von dessen grundsätzlicher Richtigkeit überzeugt sind. Deshalb werden auch Interpretationen, die sich aus einem alternativen neuen Paradigma ergeben, nicht in Erwägung gezogen und das neue Paradigma wird ohne Überprüfung a priori abgelehnt. Die Überwertigkeit eines existierenden Paradigmas verhindert damit eine kritische Auseinandersetzung mit neuen Ideen, die zur Lösung komplexer Probleme hilfreich sein könnten.

Forschung und Erkenntnisfortschritt

Lehrbücher der Biowissenschaften beschreiben Grundfunktionen lebender Zellen mit Hilfe der sog. Membran-Pump-Theorie (MPT). Dies ist ein logisches Konstrukt, das sich aus Versuchsergebnissen der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts ergeben hat. Danach muss angenommen werden, dass zelluläres Wasser - der Hauptbestandteil lebender Zellen - überwiegend normales freies Wasser ist, in dem Kalium-Ionen - die Hauptkationen lebender Zellen - frei gelöst sind. Natrium-Kalium-Pumpen in der Zellmembran sorgen dafür, dass Natrium-Ionen aktiv (unter Energieverbrauch) gegen einen elektrochemischen Gradienten aus der Zelle gepumpt werden. und dass gleichzeitig Kalium-Ionen aktiv ins Zellinnere transportiert werden.

Ein andauernder aktiver Transport ist nötig, da die Zellmembran offen ist für eine ständige Bewegung der Ionen zum Ort niedriger Konzentration. Mit diesem Modell wird die beobachtete asymmetrische Verteilung chemisch ähnlicher Ionen zwischen Zelle (viel Kalium, wenig Natrium) und umgebendem Medium (viel Natrium, wenig Kalium) erklärt. Die Existenz von Natrium-Kalium-Pumpen in der äußeren Membran lebender Zellen muss heute als das zentrale Dogma der Biowissenschaften angesehen werden. Zelluläre Strukturprinzipien und Grundfunktionen wie z.B. Zellvolumen-Regulation, Modulation elektrischer Potentiale und Stofftransport können nach der MPT nicht ohne diese Pumpen verstanden werden.

Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass neben der MPT eine alternative Theorie - die Assoziations-Induktions-Hypothese (AIH) - existiert, die Grundfunktionen lebender Zellen ohne die Annahme von Natrium-Kalium-Pumpen erklärt. Die Notwendigkeit einer alternativen Sichtweise ergab sich aus dem Befund, dass bei definierten Versuchsbedingungen nicht genügend Energie von lebenden Zellen bereitgestellt wird, um die gemessene Pumpleistung zu erklären. Aus thermodynamischen Gründen kann es keine Pumpe geben. Diese Schlussfolgerung wurde bis heute nicht widerlegt.

Alternative Paradigmen in den Biowissenschaften: Streitpunkt Natrium-Kalium-Pumpe

Der grundsätzliche Unterschied zwischen der MPT und der von [External Link] Ling - dem Erfinder der Mikroelektrode - entwickelten AIH besteht in den unterschiedlichen Interpretationen zellulärer Phänomene. Während man in der MPT physiologische Erscheinungen durch Membraneigenschaften erklärt, werden in der AIH physiologische Funktionen auf molekulare Wechselwirkungen zwischen den Hauptbestandteilen der ganzen Zelle, nämlich zwischen Proteinen und Wasser einerseits und freien Ionen andererseits zurückgeführt. Die lebende Zelle wird als kohärentes, dynamisches Protein-Wasser-Ionen System hoher Ordnung angesehen. Nach dieser Theorie ist zelluläres Wasser nicht wie in der MPT freies Wasser sondern Wasser, das durch Wechselwirkung mit zellulären Makromolekülen in seiner Struktur verändert ist. Es wird postuliert, dass die polaren Wassermoleküle durch Ladungsverteilungen bestimmter zellulärer Proteine derart dynamisch geordnet werden, dass dieses Wasser andere Lösungseigenschaften für Natrium-Ionen und viele andere Stoffe besitzt als normales freies Wasser.

Weiterhin wird postuliert, dass freie Ionen an freien Ladungen zellulärer Proteine selektiv angelagert werden können (Assoziation), wobei aus theoretischen Gründen Kalium-Ionen normalerweise gegenüber Natrium-Ionen bevorzugt werden. Dynamische Veränderungen induktiv vernetzter zellulärer Proteine (Induktion) können lokale Veränderungen von Wasserstruktur und selektiver Ionen-Assoziation bewirken. Basierend auf diesen Postulaten wurden theoretische Gleichungen mit physikalisch definierten Parametern zur Beschreibung des Stofftransports, der asymmetrischen Ionenverteilung, der Zellvolumen-Regulation und elektrischer Potentiale abgeleitet, die in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts experimentell verifiziert werden konnten.

Wie bereits erwähnt, ist die AIH weitgehend unbekannt - trotz der Tatsache, dass sie im Gegensatz zur MPT eine einheitliche Beschreibung zellulärer Grundfunktionen liefert und trotz der Tatsache, dass bedeutende Experimente Grundannahmen der MPT eindeutig widerlegt und gleichzeitig Voraussagen der AIH präzise bestätigt haben. Bei einem solchen Sachverhalt fragt natürlich jeder Außenstehende nach den Gründen für die Nicht-Akzeptanz der AIH. Sind etwa die Ansichten und Befunde der AIH Anhänger so abwegig, dass es nicht lohnt eine neue Sichtweise und damit neue Forschungsrichtungen in Erwägung zu ziehen?

Nach der Logik der MPT muss die AIH abgelehnt werden, da sie die bewiesene Existenz der Natrium-Kalium-Pumpe leugnet. Der Existenzbeweis wird wie folgt geführt: Die Aktivität eines Enzyms (Na/K ATPase) kann mit einem Gift (Ouabain) gehemmt werden. Das Enzym findet man in der Zellmembran. Bringt man lebende Zellen in Kontakt mit Ouabain, beobachtet man einen Ausgleich der unterschiedlichen Kalium- und Natrium-Konzentrationen auf beiden Seiten der Zellmembran. Der aktive Transport von Kalium und Natrium wird offensichtlich durch Ouabain gehemmt. Also ist das Enzym die Pumpe und ihre Existenz kann mit dem Gift nachgewiesen werden. Daraus folgt, dass jede Theorie, die die Pumpe leugnet, falsch sein muss.

Die alternative Erklärung der Befunde als Folge von Strukturänderungen zellulärer Proteine durch die Wirkung von Ouabain wurde a priori abgelehnt. Nach der "Entdeckung" der Pumpe (für die sehr viel später ein Nobelpreis verliehen wurde) hat unser Wissenschaftssystem mit einem diskreten Betrugsverfahren jede allgemeine Diskussion einer alternativen Interpretation der beschriebenen Experimente und allgemein der biologischen Grundfunktionen im Keim erstickt. Dieses Betrugsverfahren wird im folgenden dargestellt.

Der diskrete Betrug und seine Folgen

Nach Charles Babbage (Reflections on the Decline of Science in England, first edition1830, London) gibt es drei Arten von wissenschaftlichem Betrug:

  1. Trimming: Nivellieren von Unregelmäßigkeiten
  2. Cooking: Zitieren der Ergebnisse, die zu einer Theorie passen, Weglassen der Ergebnisse, die der Theorie widersprechen
  3. Forging: Erfinden aller Forschungsergebnisse
Während Trimming und Forging - wenn sie denn nachgewiesen sind - von jedermann als Betrug identifiziert und als unmoralisch angesehen werden gilt dies nicht für Cooking. Im Gegenteil, diese Betrugsform wird allgemein als legitimes Mittel zur Durchsetzung favorisierter Meinungen eingesetzt. Bei der Komplexität biologischer Fragestellungen und der zunehmenden Daten- und Literaturexplosion ist praktisch jeder Wissenschaftler auf Zusammenfassungen, Übersichtsartikel (Reviews) und Lehrbücher angewiesen, um sich in ein Spezialgebiet einzuarbeiten.

Die Reviews, deren Inhalt sich dann in kondensierter Form in Lehrbüchern wieder findet, sind aber nun so angelegt, dass bei Zugrundelegung allgemein akzeptierter Theorien ein möglichst einheitliches Bild ohne Widersprüche dargestellt wird. D.h. die Autoren (Wissenschaftler!) verschweigen bewusst alle Befunde, die im Widerspruch zu akzeptierten "Grundwahrheiten" stehen, weisen bestenfalls auf periphere Probleme hin, die noch gelöst werden müssen. Sie verschweigen aber, dass diese Befunde bei einer anderen Sichtweise wissenschaftlich im Sinne des eingangs definierten Kriteriums verstanden werden können.

Fälschen durch Weglassen

Beispielsweise würde bei einem - angenommen allgemein akzeptierten - geozentrischen Weltbild alle Gründe in einem Review aufgeführt, die belegen, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums steht, Epizyklen bestimmter Planeten würden entweder überhaupt nicht oder bestenfalls als Randprobleme erwähnt. Ein von einer (bekannten) Minderheit favorisiertes heliozentrisches Weltbild, das diese Epizyklen zwanglos erklärt, würde in diesem Review nicht vorkommen. Nach Babbage würde hier ein offensichtlicher Betrug vorliegen.

Ziehen wir eine Parallele zur oben erwähnten Frage nach der Existenz der Natrium-Kalium-Pumpe. Man findet in der Literatur umfangreiche Review-Artikel über diese Pumpe, in denen an keiner Stelle darauf hingewiesen wird, dass das Energie-Problem nicht gelöst ist und dass Phänomene, die der Aktion der Pumpe zugewiesen werden, nicht nur ohne die Annahme einer Energie verbrauchenden Pumpe erklärt sondern von der AIH direkt vorausgesagt werden können.

Experimentelle Ergebnisse, die Zweifel an der Richtigkeit der MPT aufkommen lassen könnten, werden nicht nur in vielen Reviews, sondern auch in ausführlichen Lehrbüchern der Zellbiologie weggelassen. Ein typisches Beispiel soll erwähnt werden: Zu Beginn des letzten Jahrhunderts waren viele Wissenschaftler der Ansicht, dass das zelluläre Kalium an bestimmte Proteine gebunden ist. Man hat während mehrerer Dekaden mit unterschiedlichen Methoden versucht, eine Kaliumnindung an zellulären Strukturen des quergestreiften Muskels und ebenso an isolierten Proteinen nachzuweisen. Mit keiner Methode konnte diese Vermutung bestätigt werden. Diese negativen Befunde und Überlegungen zum osmotischen Verhalten von Muskelzellen führten zum Schluss, dass Kalium frei gelöst im freien zellulären Wasser vorliegt.

Dieser zur damaligen Zeit berechtigte Schluss eines Nobelpreis-Trägers muss als wesentliche Voraussetzung zum Postulat und zur allgemeinen Akzeptanz der Natrium-Kalium-Pumpe angesehen werden. Stimuliert durch Voraussagen der AIH wurden mehrere Jahrzehnte später neue Kryomethoden für die Elektronenmikroskopie entwickelt, mit denen es gelang, eine schwache Bindung von Kalium an bestimmten Muskelproteinen [External Link] nachzuweisen. Bemerkenswert sind diese Befunde aus mehreren Gründen:

  1. Sie zeigen, dass Proteine der lebenden Zelle andere Eigenschaften besitzen als die gleichen Proteine die aus den Zellen biochemisch herausgelöst und isoliert untersucht werden.
  2. Sie bestätigen postulierte Voraussagen der AIH, die Wechselwirkungen zwischen zellulären Proteinen und Ionen und zwischen Proteinen und Wasser betreffen.
  3. Es kann mit Sicherheit angenommen werden, dass bei Kenntnis dieser Befunde eine Natrium-Kalium-Pumpe nie postuliert worden wäre.
Leider finden die Befunde in heutigen Lehrbüchern keinerlei Beachtung.

Man könnte nun argumentieren, dass trotz dieses Sachverhalts einige Wissenschaftler an der Kontroverse zwischen MPT und AIH zunehmend Interesse zeigen sollten, da Informationen durchaus zugänglich sind. Wenn man aber die Dynamik und das Netzwerk unseres Wissenschaftssystems kennt, kann man keinen schnellen "Sinneswandel" erwarten. Zum einen ist ein Bezug der Kontroverse zu eigenen Forschungsprojekten meist nicht direkt ersichtlich, zum anderen werden Querdenker effektiv von unserem repressiven Wissenschaftssystem ausgeschlossen.

Querdenker haben in unserem heutigen Wissenschaftssystem keine Chance

Die Zwänge denen ein Wissenschaftler ausgesetzt ist, sind bekannt. Das Leitmotiv ist "Publish or Perish". Veröffentlichungen in renommierten Zeitschriften mit hohem "Impact Faktor" sind entscheidend für Geldeinwerbung und Karriere. Gutachter (Experten genannt "Peers") entscheiden über Annahme und Ablehnung von Forschungsgeldern und Publikationen. Fehlentscheidungen der anonymen Peers sind juristisch nicht korrigierbar. Die Einführung einer Kontrollinstanz ("Peer-Review-System") in die Wissenschaft ist durchaus sinnvoll, wenn es darum geht, ein wohl definiertes Problem effektiv zu bearbeiten. In der praktizierten Form ist das Peer-Review-System aber völlig ungeeignet, revolutionäre neue Ideen gerecht zu beurteilen (Don Braben: The repressive regime of peer-review bureaucracy? Physics World, November 1996, pp13-14).

Da ohnehin nur ein Bruchteil der Forschungsanträge Aussicht auf Erfolg hat, ist ein Antragsteller auf Strategien angewiesen, die etwa so aussehen:

  • Das zu untersuchende Problem sollte im allgemeinen Trend liegen, d.h. Arbeiten der neuesten Zitierkartelle - die Zeitschriften mit hohem Impact Faktor entnommen werden können - müssen als Grundlage dienen.
  • Der Antrag sollte so abgefasst werden, dass die Ansichten der möglichen Gutachter nicht in Frage gestellt werden.
  • Es sollte unbedingt vermieden werden, etablierte Lehrmeinungen die z.B. durch Nobelpreise als unumstößliche Wahrheiten festgeschrieben worden sind anzuzweifeln, da sonst eine mehrheitliche Akzeptanz des vorgetragenen Problems durch das Gutachtergremium nicht zu erwarten ist.
Dieses opportunistische Vorgehen widerspricht zwar den ethischen Grundregeln wissenschaftlicher Wahrheitsfindung, entspricht aber genau den Empfehlungen von Geld-gebenden Instituten (National Institute of Health, USA: ".... the author of a project proposal must learn all he can about those who will read his proposal and keep those readers constantly in mind as he writes...").

Die Folgen eines angepassten Verhaltens liegen auf der Hand: In letzter Konsequenz ist das Peer-Review-System mit seinen Spielregeln erfolgreicher bei der Abwehr genialer Ideen und revolutionärer Neuerungen als die Kirche des Mittelalters im Kampf gegen unpassende Ansichten.

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass der offensichtlich legalisierte Cooking Betrug und die Zwänge unseres Wissenschaftssystems eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der AIH während der letzten 40 Jahre weitgehend verhindert haben.

Neue Wege der Grundlagenforschung

Mit der Unterdrückung der AIH und seiner berechtigten Kritik der MPT schadet sich die Wissenschaft selbst, da Erfolg versprechende neue Wege der Grundlagenforschung versperrt sind. Die Situation kann treffend mit folgendem bekannten Witz beschrieben werden:


 Ein Mann sucht seinen verlorenen Schlüssel im Schein einer Laterne. Auf die Frage ob er den Schlüssel hier verloren hat antwortet er: "Ich weiß es nicht, aber hier ist das Licht."

Besessen von der überwertigen Idee, dass die Lösung eines wissenschaftlichen Problems (Schlüssel) im Rahmen des akzeptierten Paradigmas (Laterne) zu finden ist, wird ein alternatives Paradigma nicht in Erwägung gezogen.

Konträre Paradigmen sind dadurch gekennzeichnet, dass unterschiedliche Problemlösungen angeboten werden. Somit eröffnet ein Paradigmenstreit die Möglichkeit, durch neue Forschungsrichtungen die alternativen Ansprüche experimentell zu verifizieren oder zu falsifizieren. Am Beispiel des oben diskutierten Problems der asymmetrischen Verteilung von Kalium und Natrium zwischen Zelle und umgebenden Medium sollen unterschiedliche Lösungsansätze und Tests von MPT und AIH erwähnt werden:

Nach der MPT sorgt eine Ionenpumpe in der Zellmembran dafür, dass die beobachteten unterschiedlichen Konzentrationen der Ionen auf beiden Seiten der Membran konstant gehalten werden. Aus diesem Postulat folgen Forschungsrichtungen, die folgende Fragen beantworten sollen: Kann das beobachtete Phänomen an isolierten Membransystemen und an Modellmembranen nachgewiesen werden? Mit welchen molekularen Mechanismen arbeitet die postulierte Pumpe?

Nach der AIH sind 2 Mechanismen für das beobachtete Phänomen verantwortlich: Zelluläre Proteine lagern bevorzugt Kalium-Ionen an, falls ihre lebensspezifische Struktur nicht gestört ist wie z.B. nach biochemischer Isolation. Natrium-Ionen haben eine geringe Löslichkeit im zellulären Wasser und werden deshalb von der Zelle partiell ausgeschlossen. Nach diesen Postulaten folgen Forschungsrichtungen, die folgende Fragen beantworten sollen: Kann das Phänomen mit geeigneten Methoden nachgewiesen werden? Welche Struktur zellulärer Proteine ist verantwortlich für die Fähigkeit, Ionen selektiv anzulagern? Welche Wasserstruktur ist verantwortlich für die geringe Löslichkeit von Natrium? Kann das Phänomen an Modellsystemen untersucht werden?

Die Forschungsergebnisse, die sich auf die oben erwähnten essentiellen Fragen der MPT beziehen, müssen bestenfalls mit ungenügend beurteilt werden. Ein Netto-Transport von Kalium oder Natrium gegen einen elektrochemischen Gradienten konnte trotz jahrelanger Anstrengungen weder an künstlichen Membranen noch an isolierten Zellmembranen nachgewiesen werden und der molekulare Mechanismus des gerichteten aktiven Transports ist ungeklärt. Im Gegensatz dazu konnten die von der AIH postulierten Mechanismen mit mehreren unabhängigen Methoden, u.a. an aufgeschnittenen Muskelzellen (ohne funktionierende Zellmembran) und im Fall der Wasser-Problematik auch an Modellsystemen bestätigt werden.

Nach dem heutigen Stand der experimentellen Verifikation der AIH muss gefolgert werden, dass ein wirkliches Verständnis zellspezifischer physikalischer und biochemischer Vorgänge nur möglich ist, wenn die Strukturen zellulärer Proteine in der lebenden Zelle und deren molekularen Wechselwirkungen mit anderen Proteinen, Makromolekülen, mit Wasser und mit Ionen wirklich aufgeklärt sind. Daraus ergibt sich die Forderung, dass zerstörungsfreie Methoden ausgesucht und entwickelt werden müssen, die erlauben, Unterschiede in Struktur und Eigenschaften zwischen isolierten Proteinsystemen und Systemen in der lebenden Zelle festzustellen. Ein besonderer Schwerpunkt sollte auf der Erforschung des zellulären Wassers liegen bei gleichzeitigen vergleichenden Untersuchungen geeigneter wässriger Modellsysteme.

Es muss betont werden, dass nicht nur neue Untersuchungsmethoden wünschenswert sind. Vielmehr sollten zum wirklichen Verständnis unzähliger alter und neuer Forschungsergebnisse alternative Interpretationen konsequent geprüft werden. Bedauerlicherweise ist bei den Spielregeln unseres Wissenschaftssystems eine öffentliche Förderung der vorgeschlagenen Grundlagenforschung solange nicht zu erwarten, solange der tief im Unterbewusstsein verankerte Glaube an die Natrium-Kalium-Pumpe nicht erschüttert ist.

Eine detaillierte Beschreibung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zwischen MPT und AIH findet man in dem Buch Life at the Cell and Below-Cell Level. The Hidden History of a Fundamental Revolution in Biology von G.N. Ling, [External Link] Pacific Press, New York, 2001. Eine grundsätzliche Kritik der MPT und die leicht verständliche Darstellung ungelöster Probleme und einer Reihe von Lösungsvorschlägen, die der AIH entnommen sind, findet man in dem Buch [External Link] Cells, Gels and the Engines of Life; a New, Unifying Approach to Cell Function von G.H.Pollack, Ebner and Sons Publishers, Seattle, Washington, 2001. Eine deutsche Beschreibung der Kontroverse wurde in Telepolis bereits veröffentlicht: [Local Link] Die Wissenschaft und die Verwerfungen der Massenpsychologie.

(telepolis)






Zweifel an der Natrium-Kalium-Pumpe sind nicht erlaubt

Ludwig Edelmann   31.05.2004

Betrug in den Biowissenschaften verhindert Paradigmenwechsel und versperrt neue Wege der Grundlagenforschung

Es gibt einen nahezu unbekannten Paradigmenwechsel in den Biowissenschaften: Das zentrale molekularbiologische Modell der allgemein akzeptierten Membran-Pump-Theorie (MPT) - die Natrium-Kalium-Pumpe - wird in der alternativen Assoziations-Induktions-Hypothese (AIH) als Fehlinterpretation dargestellt. Mit Hilfe eines diskreten Betruges und des üblichen Begutachtungsverfahrens (Peer-Review-System) von wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Forschungsanträgen hat das wissenschaftliche Establishment eine allgemeine Diskussion und Akzeptanz der AIH verhindert. Als Folge sind bedeutende Entdeckungen mehrerer Dekaden und Erfolg versprechende neue Wege der Grundlagenforschung weitgehend unbekannt.


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Die wissenschaftliche Methode, Naturerscheinungen zu erforschen, kann folgendermaßen skizziert werden: Aus der Beobachtung bestimmter Phänomene werden zunächst theoretische Modelle abgeleitet, die diese Phänomene in logischer Weise erklären. Die Modelle werden dann getestet, indem man versucht, theoretische Voraussagen, die sich aus diesen Modellen ergeben, durch geeignete Experimente zu verifizieren. Erst wenn die theoretischen Voraussagen eines Modells mit allen Beobachtungen lückenlos übereinstimmen, kann man annehmen, dass ein Phänomen wissenschaftlich verstanden ist. Obwohl also den meisten Forschungsrichtungen ein Paradigma beziehungsweise ein hypothetisches Modell zugrunde liegt, ist den Forschenden normalerweise nicht bewusst, dass das Modell auch falsch sein könnte.

Die meisten Forschungsergebnisse sind neue Beobachtungen, die im Rahmen eines existierenden Paradigmas plausibel erklärt werden. Eine Plausibilitätsbetrachtung bedeutet meist noch keinen Erkenntnisfortschritt. Trotzdem werden die neuen Beobachtungen nicht dazu benutzt, das zugrunde liegende Paradigma zu testen, da die Forschenden von dessen grundsätzlicher Richtigkeit überzeugt sind. Deshalb werden auch Interpretationen, die sich aus einem alternativen neuen Paradigma ergeben, nicht in Erwägung gezogen und das neue Paradigma wird ohne Überprüfung a priori abgelehnt. Die Überwertigkeit eines existierenden Paradigmas verhindert damit eine kritische Auseinandersetzung mit neuen Ideen, die zur Lösung komplexer Probleme hilfreich sein könnten.

Forschung und Erkenntnisfortschritt

Lehrbücher der Biowissenschaften beschreiben Grundfunktionen lebender Zellen mit Hilfe der sog. Membran-Pump-Theorie (MPT). Dies ist ein logisches Konstrukt, das sich aus Versuchsergebnissen der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts ergeben hat. Danach muss angenommen werden, dass zelluläres Wasser - der Hauptbestandteil lebender Zellen - überwiegend normales freies Wasser ist, in dem Kalium-Ionen - die Hauptkationen lebender Zellen - frei gelöst sind. Natrium-Kalium-Pumpen in der Zellmembran sorgen dafür, dass Natrium-Ionen aktiv (unter Energieverbrauch) gegen einen elektrochemischen Gradienten aus der Zelle gepumpt werden. und dass gleichzeitig Kalium-Ionen aktiv ins Zellinnere transportiert werden.

Ein andauernder aktiver Transport ist nötig, da die Zellmembran offen ist für eine ständige Bewegung der Ionen zum Ort niedriger Konzentration. Mit diesem Modell wird die beobachtete asymmetrische Verteilung chemisch ähnlicher Ionen zwischen Zelle (viel Kalium, wenig Natrium) und umgebendem Medium (viel Natrium, wenig Kalium) erklärt. Die Existenz von Natrium-Kalium-Pumpen in der äußeren Membran lebender Zellen muss heute als das zentrale Dogma der Biowissenschaften angesehen werden. Zelluläre Strukturprinzipien und Grundfunktionen wie z.B. Zellvolumen-Regulation, Modulation elektrischer Potentiale und Stofftransport können nach der MPT nicht ohne diese Pumpen verstanden werden.

Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass neben der MPT eine alternative Theorie - die Assoziations-Induktions-Hypothese (AIH) - existiert, die Grundfunktionen lebender Zellen ohne die Annahme von Natrium-Kalium-Pumpen erklärt. Die Notwendigkeit einer alternativen Sichtweise ergab sich aus dem Befund, dass bei definierten Versuchsbedingungen nicht genügend Energie von lebenden Zellen bereitgestellt wird, um die gemessene Pumpleistung zu erklären. Aus thermodynamischen Gründen kann es keine Pumpe geben. Diese Schlussfolgerung wurde bis heute nicht widerlegt.

Alternative Paradigmen in den Biowissenschaften: Streitpunkt Natrium-Kalium-Pumpe

Der grundsätzliche Unterschied zwischen der MPT und der von [External Link] Ling - dem Erfinder der Mikroelektrode - entwickelten AIH besteht in den unterschiedlichen Interpretationen zellulärer Phänomene. Während man in der MPT physiologische Erscheinungen durch Membraneigenschaften erklärt, werden in der AIH physiologische Funktionen auf molekulare Wechselwirkungen zwischen den Hauptbestandteilen der ganzen Zelle, nämlich zwischen Proteinen und Wasser einerseits und freien Ionen andererseits zurückgeführt. Die lebende Zelle wird als kohärentes, dynamisches Protein-Wasser-Ionen System hoher Ordnung angesehen. Nach dieser Theorie ist zelluläres Wasser nicht wie in der MPT freies Wasser sondern Wasser, das durch Wechselwirkung mit zellulären Makromolekülen in seiner Struktur verändert ist. Es wird postuliert, dass die polaren Wassermoleküle durch Ladungsverteilungen bestimmter zellulärer Proteine derart dynamisch geordnet werden, dass dieses Wasser andere Lösungseigenschaften für Natrium-Ionen und viele andere Stoffe besitzt als normales freies Wasser.

Weiterhin wird postuliert, dass freie Ionen an freien Ladungen zellulärer Proteine selektiv angelagert werden können (Assoziation), wobei aus theoretischen Gründen Kalium-Ionen normalerweise gegenüber Natrium-Ionen bevorzugt werden. Dynamische Veränderungen induktiv vernetzter zellulärer Proteine (Induktion) können lokale Veränderungen von Wasserstruktur und selektiver Ionen-Assoziation bewirken. Basierend auf diesen Postulaten wurden theoretische Gleichungen mit physikalisch definierten Parametern zur Beschreibung des Stofftransports, der asymmetrischen Ionenverteilung, der Zellvolumen-Regulation und elektrischer Potentiale abgeleitet, die in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts experimentell verifiziert werden konnten.

Wie bereits erwähnt, ist die AIH weitgehend unbekannt - trotz der Tatsache, dass sie im Gegensatz zur MPT eine einheitliche Beschreibung zellulärer Grundfunktionen liefert und trotz der Tatsache, dass bedeutende Experimente Grundannahmen der MPT eindeutig widerlegt und gleichzeitig Voraussagen der AIH präzise bestätigt haben. Bei einem solchen Sachverhalt fragt natürlich jeder Außenstehende nach den Gründen für die Nicht-Akzeptanz der AIH. Sind etwa die Ansichten und Befunde der AIH Anhänger so abwegig, dass es nicht lohnt eine neue Sichtweise und damit neue Forschungsrichtungen in Erwägung zu ziehen?

Nach der Logik der MPT muss die AIH abgelehnt werden, da sie die bewiesene Existenz der Natrium-Kalium-Pumpe leugnet. Der Existenzbeweis wird wie folgt geführt: Die Aktivität eines Enzyms (Na/K ATPase) kann mit einem Gift (Ouabain) gehemmt werden. Das Enzym findet man in der Zellmembran. Bringt man lebende Zellen in Kontakt mit Ouabain, beobachtet man einen Ausgleich der unterschiedlichen Kalium- und Natrium-Konzentrationen auf beiden Seiten der Zellmembran. Der aktive Transport von Kalium und Natrium wird offensichtlich durch Ouabain gehemmt. Also ist das Enzym die Pumpe und ihre Existenz kann mit dem Gift nachgewiesen werden. Daraus folgt, dass jede Theorie, die die Pumpe leugnet, falsch sein muss.

Die alternative Erklärung der Befunde als Folge von Strukturänderungen zellulärer Proteine durch die Wirkung von Ouabain wurde a priori abgelehnt. Nach der "Entdeckung" der Pumpe (für die sehr viel später ein Nobelpreis verliehen wurde) hat unser Wissenschaftssystem mit einem diskreten Betrugsverfahren jede allgemeine Diskussion einer alternativen Interpretation der beschriebenen Experimente und allgemein der biologischen Grundfunktionen im Keim erstickt. Dieses Betrugsverfahren wird im folgenden dargestellt.

Der diskrete Betrug und seine Folgen

Nach Charles Babbage (Reflections on the Decline of Science in England, first edition1830, London) gibt es drei Arten von wissenschaftlichem Betrug:

  1. Trimming: Nivellieren von Unregelmäßigkeiten
  2. Cooking: Zitieren der Ergebnisse, die zu einer Theorie passen, Weglassen der Ergebnisse, die der Theorie widersprechen
  3. Forging: Erfinden aller Forschungsergebnisse
Während Trimming und Forging - wenn sie denn nachgewiesen sind - von jedermann als Betrug identifiziert und als unmoralisch angesehen werden gilt dies nicht für Cooking. Im Gegenteil, diese Betrugsform wird allgemein als legitimes Mittel zur Durchsetzung favorisierter Meinungen eingesetzt. Bei der Komplexität biologischer Fragestellungen und der zunehmenden Daten- und Literaturexplosion ist praktisch jeder Wissenschaftler auf Zusammenfassungen, Übersichtsartikel (Reviews) und Lehrbücher angewiesen, um sich in ein Spezialgebiet einzuarbeiten.

Die Reviews, deren Inhalt sich dann in kondensierter Form in Lehrbüchern wieder findet, sind aber nun so angelegt, dass bei Zugrundelegung allgemein akzeptierter Theorien ein möglichst einheitliches Bild ohne Widersprüche dargestellt wird. D.h. die Autoren (Wissenschaftler!) verschweigen bewusst alle Befunde, die im Widerspruch zu akzeptierten "Grundwahrheiten" stehen, weisen bestenfalls auf periphere Probleme hin, die noch gelöst werden müssen. Sie verschweigen aber, dass diese Befunde bei einer anderen Sichtweise wissenschaftlich im Sinne des eingangs definierten Kriteriums verstanden werden können.

Fälschen durch Weglassen

Beispielsweise würde bei einem - angenommen allgemein akzeptierten - geozentrischen Weltbild alle Gründe in einem Review aufgeführt, die belegen, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums steht, Epizyklen bestimmter Planeten würden entweder überhaupt nicht oder bestenfalls als Randprobleme erwähnt. Ein von einer (bekannten) Minderheit favorisiertes heliozentrisches Weltbild, das diese Epizyklen zwanglos erklärt, würde in diesem Review nicht vorkommen. Nach Babbage würde hier ein offensichtlicher Betrug vorliegen.

Ziehen wir eine Parallele zur oben erwähnten Frage nach der Existenz der Natrium-Kalium-Pumpe. Man findet in der Literatur umfangreiche Review-Artikel über diese Pumpe, in denen an keiner Stelle darauf hingewiesen wird, dass das Energie-Problem nicht gelöst ist und dass Phänomene, die der Aktion der Pumpe zugewiesen werden, nicht nur ohne die Annahme einer Energie verbrauchenden Pumpe erklärt sondern von der AIH direkt vorausgesagt werden können.

Experimentelle Ergebnisse, die Zweifel an der Richtigkeit der MPT aufkommen lassen könnten, werden nicht nur in vielen Reviews, sondern auch in ausführlichen Lehrbüchern der Zellbiologie weggelassen. Ein typisches Beispiel soll erwähnt werden: Zu Beginn des letzten Jahrhunderts waren viele Wissenschaftler der Ansicht, dass das zelluläre Kalium an bestimmte Proteine gebunden ist. Man hat während mehrerer Dekaden mit unterschiedlichen Methoden versucht, eine Kaliumnindung an zellulären Strukturen des quergestreiften Muskels und ebenso an isolierten Proteinen nachzuweisen. Mit keiner Methode konnte diese Vermutung bestätigt werden. Diese negativen Befunde und Überlegungen zum osmotischen Verhalten von Muskelzellen führten zum Schluss, dass Kalium frei gelöst im freien zellulären Wasser vorliegt.

Dieser zur damaligen Zeit berechtigte Schluss eines Nobelpreis-Trägers muss als wesentliche Voraussetzung zum Postulat und zur allgemeinen Akzeptanz der Natrium-Kalium-Pumpe angesehen werden. Stimuliert durch Voraussagen der AIH wurden mehrere Jahrzehnte später neue Kryomethoden für die Elektronenmikroskopie entwickelt, mit denen es gelang, eine schwache Bindung von Kalium an bestimmten Muskelproteinen [External Link] nachzuweisen. Bemerkenswert sind diese Befunde aus mehreren Gründen:

  1. Sie zeigen, dass Proteine der lebenden Zelle andere Eigenschaften besitzen als die gleichen Proteine die aus den Zellen biochemisch herausgelöst und isoliert untersucht werden.
  2. Sie bestätigen postulierte Voraussagen der AIH, die Wechselwirkungen zwischen zellulären Proteinen und Ionen und zwischen Proteinen und Wasser betreffen.
  3. Es kann mit Sicherheit angenommen werden, dass bei Kenntnis dieser Befunde eine Natrium-Kalium-Pumpe nie postuliert worden wäre.
Leider finden die Befunde in heutigen Lehrbüchern keinerlei Beachtung.

Man könnte nun argumentieren, dass trotz dieses Sachverhalts einige Wissenschaftler an der Kontroverse zwischen MPT und AIH zunehmend Interesse zeigen sollten, da Informationen durchaus zugänglich sind. Wenn man aber die Dynamik und das Netzwerk unseres Wissenschaftssystems kennt, kann man keinen schnellen "Sinneswandel" erwarten. Zum einen ist ein Bezug der Kontroverse zu eigenen Forschungsprojekten meist nicht direkt ersichtlich, zum anderen werden Querdenker effektiv von unserem repressiven Wissenschaftssystem ausgeschlossen.

Querdenker haben in unserem heutigen Wissenschaftssystem keine Chance

Die Zwänge denen ein Wissenschaftler ausgesetzt ist, sind bekannt. Das Leitmotiv ist "Publish or Perish". Veröffentlichungen in renommierten Zeitschriften mit hohem "Impact Faktor" sind entscheidend für Geldeinwerbung und Karriere. Gutachter (Experten genannt "Peers") entscheiden über Annahme und Ablehnung von Forschungsgeldern und Publikationen. Fehlentscheidungen der anonymen Peers sind juristisch nicht korrigierbar. Die Einführung einer Kontrollinstanz ("Peer-Review-System") in die Wissenschaft ist durchaus sinnvoll, wenn es darum geht, ein wohl definiertes Problem effektiv zu bearbeiten. In der praktizierten Form ist das Peer-Review-System aber völlig ungeeignet, revolutionäre neue Ideen gerecht zu beurteilen (Don Braben: The repressive regime of peer-review bureaucracy? Physics World, November 1996, pp13-14).

Da ohnehin nur ein Bruchteil der Forschungsanträge Aussicht auf Erfolg hat, ist ein Antragsteller auf Strategien angewiesen, die etwa so aussehen:

  • Das zu untersuchende Problem sollte im allgemeinen Trend liegen, d.h. Arbeiten der neuesten Zitierkartelle - die Zeitschriften mit hohem Impact Faktor entnommen werden können - müssen als Grundlage dienen.
  • Der Antrag sollte so abgefasst werden, dass die Ansichten der möglichen Gutachter nicht in Frage gestellt werden.
  • Es sollte unbedingt vermieden werden, etablierte Lehrmeinungen die z.B. durch Nobelpreise als unumstößliche Wahrheiten festgeschrieben worden sind anzuzweifeln, da sonst eine mehrheitliche Akzeptanz des vorgetragenen Problems durch das Gutachtergremium nicht zu erwarten ist.
Dieses opportunistische Vorgehen widerspricht zwar den ethischen Grundregeln wissenschaftlicher Wahrheitsfindung, entspricht aber genau den Empfehlungen von Geld-gebenden Instituten (National Institute of Health, USA: ".... the author of a project proposal must learn all he can about those who will read his proposal and keep those readers constantly in mind as he writes...").

Die Folgen eines angepassten Verhaltens liegen auf der Hand: In letzter Konsequenz ist das Peer-Review-System mit seinen Spielregeln erfolgreicher bei der Abwehr genialer Ideen und revolutionärer Neuerungen als die Kirche des Mittelalters im Kampf gegen unpassende Ansichten.

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass der offensichtlich legalisierte Cooking Betrug und die Zwänge unseres Wissenschaftssystems eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der AIH während der letzten 40 Jahre weitgehend verhindert haben.

Neue Wege der Grundlagenforschung

Mit der Unterdrückung der AIH und seiner berechtigten Kritik der MPT schadet sich die Wissenschaft selbst, da Erfolg versprechende neue Wege der Grundlagenforschung versperrt sind. Die Situation kann treffend mit folgendem bekannten Witz beschrieben werden:


 Ein Mann sucht seinen verlorenen Schlüssel im Schein einer Laterne. Auf die Frage ob er den Schlüssel hier verloren hat antwortet er: "Ich weiß es nicht, aber hier ist das Licht."

Besessen von der überwertigen Idee, dass die Lösung eines wissenschaftlichen Problems (Schlüssel) im Rahmen des akzeptierten Paradigmas (Laterne) zu finden ist, wird ein alternatives Paradigma nicht in Erwägung gezogen.

Konträre Paradigmen sind dadurch gekennzeichnet, dass unterschiedliche Problemlösungen angeboten werden. Somit eröffnet ein Paradigmenstreit die Möglichkeit, durch neue Forschungsrichtungen die alternativen Ansprüche experimentell zu verifizieren oder zu falsifizieren. Am Beispiel des oben diskutierten Problems der asymmetrischen Verteilung von Kalium und Natrium zwischen Zelle und umgebenden Medium sollen unterschiedliche Lösungsansätze und Tests von MPT und AIH erwähnt werden:

Nach der MPT sorgt eine Ionenpumpe in der Zellmembran dafür, dass die beobachteten unterschiedlichen Konzentrationen der Ionen auf beiden Seiten der Membran konstant gehalten werden. Aus diesem Postulat folgen Forschungsrichtungen, die folgende Fragen beantworten sollen: Kann das beobachtete Phänomen an isolierten Membransystemen und an Modellmembranen nachgewiesen werden? Mit welchen molekularen Mechanismen arbeitet die postulierte Pumpe?

Nach der AIH sind 2 Mechanismen für das beobachtete Phänomen verantwortlich: Zelluläre Proteine lagern bevorzugt Kalium-Ionen an, falls ihre lebensspezifische Struktur nicht gestört ist wie z.B. nach biochemischer Isolation. Natrium-Ionen haben eine geringe Löslichkeit im zellulären Wasser und werden deshalb von der Zelle partiell ausgeschlossen. Nach diesen Postulaten folgen Forschungsrichtungen, die folgende Fragen beantworten sollen: Kann das Phänomen mit geeigneten Methoden nachgewiesen werden? Welche Struktur zellulärer Proteine ist verantwortlich für die Fähigkeit, Ionen selektiv anzulagern? Welche Wasserstruktur ist verantwortlich für die geringe Löslichkeit von Natrium? Kann das Phänomen an Modellsystemen untersucht werden?

Die Forschungsergebnisse, die sich auf die oben erwähnten essentiellen Fragen der MPT beziehen, müssen bestenfalls mit ungenügend beurteilt werden. Ein Netto-Transport von Kalium oder Natrium gegen einen elektrochemischen Gradienten konnte trotz jahrelanger Anstrengungen weder an künstlichen Membranen noch an isolierten Zellmembranen nachgewiesen werden und der molekulare Mechanismus des gerichteten aktiven Transports ist ungeklärt. Im Gegensatz dazu konnten die von der AIH postulierten Mechanismen mit mehreren unabhängigen Methoden, u.a. an aufgeschnittenen Muskelzellen (ohne funktionierende Zellmembran) und im Fall der Wasser-Problematik auch an Modellsystemen bestätigt werden.

Nach dem heutigen Stand der experimentellen Verifikation der AIH muss gefolgert werden, dass ein wirkliches Verständnis zellspezifischer physikalischer und biochemischer Vorgänge nur möglich ist, wenn die Strukturen zellulärer Proteine in der lebenden Zelle und deren molekularen Wechselwirkungen mit anderen Proteinen, Makromolekülen, mit Wasser und mit Ionen wirklich aufgeklärt sind. Daraus ergibt sich die Forderung, dass zerstörungsfreie Methoden ausgesucht und entwickelt werden müssen, die erlauben, Unterschiede in Struktur und Eigenschaften zwischen isolierten Proteinsystemen und Systemen in der lebenden Zelle festzustellen. Ein besonderer Schwerpunkt sollte auf der Erforschung des zellulären Wassers liegen bei gleichzeitigen vergleichenden Untersuchungen geeigneter wässriger Modellsysteme.

Es muss betont werden, dass nicht nur neue Untersuchungsmethoden wünschenswert sind. Vielmehr sollten zum wirklichen Verständnis unzähliger alter und neuer Forschungsergebnisse alternative Interpretationen konsequent geprüft werden. Bedauerlicherweise ist bei den Spielregeln unseres Wissenschaftssystems eine öffentliche Förderung der vorgeschlagenen Grundlagenforschung solange nicht zu erwarten, solange der tief im Unterbewusstsein verankerte Glaube an die Natrium-Kalium-Pumpe nicht erschüttert ist.

Eine detaillierte Beschreibung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zwischen MPT und AIH findet man in dem Buch Life at the Cell and Below-Cell Level. The Hidden History of a Fundamental Revolution in Biology von G.N. Ling, [External Link] Pacific Press, New York, 2001. Eine grundsätzliche Kritik der MPT und die leicht verständliche Darstellung ungelöster Probleme und einer Reihe von Lösungsvorschlägen, die der AIH entnommen sind, findet man in dem Buch [External Link] Cells, Gels and the Engines of Life; a New, Unifying Approach to Cell Function von G.H.Pollack, Ebner and Sons Publishers, Seattle, Washington, 2001. Eine deutsche Beschreibung der Kontroverse wurde in Telepolis bereits veröffentlicht: [Local Link] Die Wissenschaft und die Verwerfungen der Massenpsychologie.








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